Die Keystone-SDA erfindet sich neu
15.11.2018 | Keystone-SDA

Die Keystone-SDA erfindet sich neu

Nach einem turbulenten Frühjahr positioniert sich die Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA neu. Seit vier Monaten ist der 41jährige Zürcher Philip Hofmann neuer Verkaufschef. Zuvor war Hofmann, der sich als «Kind der Medien» bezeichnet, für Goldbach Medien, TV3 und die Belcom AG tätig. Zuletzt arbeitete er bei «Hofmann und Partner», der Firma seines Vaters. Gegenüber dem Fachmagazin «persönlich» erläutert Hofmann seine Visionen und Pläne.

Keystone-SDA / Pascal Bloch
Keystone-SDA / Pascal Bloch

 

 

Herr Hofmann, vier Monate im Amt als oberster Verkaufschef bei Keystone-SDA. Schon genug?

 

Noch lange nicht! Wie heisst es so schön: Das Starten wird nicht belohnt, nur das Durchhalten. Jeder Tag ist spannend und anders. Vor allem komme ich auch viel rum bei unseren Redaktionen und Kunden. Ich lerne die Schweiz nochmals kennen. In einem kleinen Restaurant bei Magglingen habe ich den besten Burger meines Lebens gegessen, und unterschätzen Sie nicht das Migros-Restaurant bei der Autobahnraststätte in Kölliken! Scherz beiseite: Ich wusste, worauf ich mich einlasse, und ich habe es noch keine Sekunde bereut. Die Truppe ist trotz schwierigem Umfeld motiviert. Wir packen das.

 

Was sind Ihre ersten Eindrücke von dieser fusionierten Nachrichtenagentur?

 

Wir haben viel Arbeit vor uns – viel Aufklärungsarbeit gegen innen und aussen: Was machen wir im Verkauf, und wieso machen wir es so und nicht anders? Manche Abteilungen waren ein wenig im Dornröschenschlaf.


Wir müssen uns den neuen Gegebenheiten im modernen Mediengeschäft anpassen. Tempo ist noch fast wichtiger als Qualität, der Preis ist das zentrale Kriterium bei unseren Kunden, ob uns das Spass macht oder nicht. Wir müssen den Kunden noch mehr ins Zentrum stellen und moderne Prozesse schaffen. Aber wir kommen schnell voran. Dazu kommen zwei unterschiedliche Unternehmenskulturen, die wir harmonisieren müssen, ohne dabei die positiven Eigenheiten der ehemals zwei Firmen zu verlieren. Das braucht Geduld, Zeit und, ja, auch Nerven.

 

Gab es Erfolgsgeschichten, von denen Sie erzählen können?

 

Da gab es schon eine ganze Menge. Wir bauen unser Geschäft bei den Corporate-Kunden beständig aus. Arbeiten mit wichtigen Playern wie Swiss, Swisscom und SBB zusammen. Wir sind ebenfalls stark im Sport verankert. Wir arbeiten mit allen relevanten Sportverbänden zusammen und sind Partner bei allen relevanten Events. Keine Feier ohne Keystone-SDA sozusagen. Wir werden immer nur als Content-Anbieter bei den Medienhäusern wahrgenommen. Wir sind aber viel mehr als das.

 

Was sind Ihre drei wichtigsten Aufgaben?

 

Motivieren, kritisieren, verkaufen. Nicht zwingend in dieser Reihenfolge.

 

Sie bearbeiten die Medienkunden, aber auch Corporate-Kunden. Worauf legen Sie den Fokus?

 

Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Wir sehen bei den Medienkunden über kurz oder lang kein grosses Wachstum. Da dürfen wir uns nicht selber belügen. Aber natürlich sind und bleiben sie wichtige Kunden. Ausbauen werden wir unser Geschäft aber vor allem im Corporate-Bereich. Da sehe ich Potenzial. Da müssen wir hin mit unserer neuen Produktpalette – wir sind der grösste Content-Anbieter, und wir haben sehr viel zu bieten.

 

Was hat die neue Keystone-SDA dem Corporate-Kunden zu bieten?

 

Die Frage müsste lauten: Was haben wir ihm nicht zu bieten? Einfach auf den Punkt gebracht: Wenn Sie Content brauchen, egal, in welcher Form, dann sind sie bei uns an der richtigen Adresse. Sie erhalten bei uns Texte, Bilder, Grafiken, Videos und sogar Eins-aGeschäftsberichte. Wir bieten über unseren grössten Shareholder, APA (Austria Presse Agentur), auch IT-Dienstleistungen an. Hosting, Monitoring, neue Tools zur Effizienzsteigerung in den Redaktionen und so weiter. Da treffen wir derzeit natürlich einen Nerv.

 

Tamedia will den Sporttext nicht mehr beziehen. Haben Sie noch andere Kunden im Sport?

 

Dass unser Shareholder Tamedia den Sport nicht mehr bei uns bezieht, ist natürlich schade. Aber wie vorher erwähnt, sind fast alle anderen Medienhäuser, Onlinesites und andere Anbieter Kunden unseres Sportdienstes, neben den Sportverbänden, die ich auch bereits erwähnt habe. Der Sport ist und bleibt ein integraler Bestandteil dieser «neuen» Nachrichtenagentur – ob mit oder ohne Tamedia. The show must go on. 

 

Hat die Agentur Alleinstellungsmerkmale?

 

Yes. Oder kennen Sie eine andere Agentur, die all die aufgezählten Dienstleistungen in drei Sprachen und in Topqualität erbringen kann? Nur schon, dass wir nicht «nur» Content, sondern auch IT-Dienstleistungen anbieten, dürfte ziemlich einzigartig sein.

 

Keystone-SDA liefert Content für Medienkunden. Kann man bei Ihnen auch Tailor-made Inhalte in Auftrag geben?

 

Absolut. Vor allem auch Corporate-Kunden. Geht nicht, gibts nicht. Wir brauchen ein Briefing und ein Budget – und wir legen los. 

 

Wo liegt der Unterschied zwischen Radio-/TV Marketing und Content-Vermarktung für eine Nachrichtenagentur?

 

Das Nachrichtengeschäft ist auf der Seite der Vermarktung ungleich komplexer. In der klassischen Werbevermarktung geht es ausschliesslich um das Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier haben wir viel mehr und umfangreichere Produkte, mehr Dienstleistungen und mehr Erklärungsbedarf. Natürlich ist auch hier der Preis das zentrale Thema. Zum Glück führen wir aber intern wie extern doch noch Gespräche über Qualität, freie Meinungsbildung und unabhängigen und kritischen Journalismus. Das ist gut so. 

 

Wo setzen Sie auf Wachstumsfelder?

 

Überall eigentlich. Vor allem bei den Corporates werden und müssen wir weiter wachsen. Corporate Publishing wird ein Treiber, und als exklusiver Partner von Associated Press in der Schweiz für Bild und Video bieten wir die besten Produkte der weltweit grössten Nachrichtenagentur exklusiv an. Da werden wir wachsen und spüren eine grosse Nachfrage. 

355857795 - Keystone-SDA / Peter Klaunzer
355857795 - Keystone-SDA / Peter Klaunzer

 

 

Differenzieren und Relevanz erzeugen – kann das eine Nachrichtenagentur?

 

Wenn eine Nachrichtenagentur das nicht kann, verliert sie ihre Daseinsberechtigung. Unsere Redaktion trennt die Spreu vom Weizen. Jeden Tag. Wir sortieren die Themen, und unsere Kolleginnen und Kollegen auf den Redaktionen verfeinern dann. Wir haben auch immer wieder mal einen Primeur oder ein Bild, das weltweit viral geht. Ich erinnere gerne an das Bild von Alain Berset, wie er mit seinen Akten in New York am Strassenrand sitzt. Unser Fotograf Peter Klaunzer, der ihn ein Jahr begleitet, hat den Schnappschuss gemacht, der millionenfach über Social Media verbreitet wurde. Oder wir hatten auch das Interview, das Sven Schoch mit Granit Xhaka gemacht hat und das im Zuge des Doppeladler-Skandals viel Beachtung gefunden hat. Wir sind am Ball. 

 

Animierte und interaktive Grafiken – ist das ein Thema bei Keystone-SDA?

 

Aber klar doch. Erfolgreich in diesem Bereich sind unsere Erklärvideos (zum Beispiel zum Wahlmänner-System in den USA) und unsere Erklärgrafiken. Da arbeiten wir auch viel für die verschiedenen Bundesämter. 

 

Wie ist der Verkauf bei Keystone-SDA aufgestellt?

 

Wir haben spezialisierte Teams für Medienkunden, Corporates und Sport. Daneben haben wir die Abteilung Corporate Productions. Sie versorgt unsere Kunden mit Infografiken oder Erklärvideos. Wir beschäftigen in dieser Abteilung auch ein Designteam. Wir können Geschäftsberichte erstellen, Bücher oder zum Beispiel auch ein Matchprogramm für Sportvereine. Wir sind neu also auch ein Verlag und erweitern so stringent unsere Wertschöpfungskette. 

 

Nun baut Keystone-SDA in Lausanne einen neuen Hub. Welchen Stellenwert nimmt die Romandie im Verkauf ein?

 

Einen hohen natürlich. Wir investieren viel Ressourcen in die Romandie. Auf allen Ebenen. Wir haben viele wichtige Kunden vor Ort – seien das Medienkunden oder natürlich die Luxusgüterindustrie mit Uhren, aber auch Textilien. Ausserdem ist die dreisprachige Redaktion – wir produzieren auf Italienisch, Französisch und Deutsch – fester Bestandteil der DNA dieser Firma.

 

Wieso soll ich mit Keystone-SDA arbeiten – was bringt mir das?

 

Innere Ruhe und das Wissen, dass alles gut kommt (lacht). Ernsthaft. Weil wir in allen Bereichen Fortschritte machen. Wir modernisieren und digitalisieren, was wir in die Finger kriegen und Sinn ergibt. Der Kunde profitiert von einer noch besseren Produktpalette. Text, Bild, Grafiken, Video, Geschäftsberichte, Hosting, Auftragsfotografie und so weiter. Alles aus einer Hand zu einem vernünftigen Preis und alles in bester Qualität.

 

Sie wurden in der Medienmitteilung als Champions-League-Transfer betitelt. Haben Sie schon Tore geschossen?

 

Ich schiesse keine Tore, wie schiessen sie zusammen. Da müssen wir auch schnell zum Abschluss kommen. Geschwindigkeit über Raffinesse. Ab und zu kriegt man dann auch mal eine vors Knie. Aber wir fallen nicht so theatralisch wie Neymar. Wir rappeln uns auf und machen weiter. Uns fehlt noch die Finesse von Barcelona, aber in der Super League spielen wir um den Titel. Absolut.

 

 

Interview: Matthias Ackeret für «persönlich»