Ist uns aufgefallen - Woche 11

Die Schweizer Saengerin Veronica Fusaro praesentiert ihren Song "Alice" fuer den 70. "Eurovision Song Contest", am Mittwoch, 11. Maerz 2026 in Zuerich.
KEYSTONE / Andreas Becker
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Von der Rock-Oper für Wien und dem Ritt der Börse bis hin zum deutlichen SRG-Votum und der energiepolitischen Kehrtwende im Ständerat: Die Themen der Woche dokumentieren eine Schweiz zwischen kulturellem Aufbruch, wirtschaftlichem Wandel und intensiven politischen Richtungsdebatten.

Von der Club-Energie zur Rock-Oper für Wien

Die Schweizer Musiklandschaft zeigt sich in dieser Woche von einer dynamischen Seite: Die Genfer Rapperin Nathalie Froehlich (Bild) elektrisiert derzeit mit ihrer «Release Tour» und roher Energie die Clubszene von Lausanne bis Zürich. Ihre ungeschönte Performance steht für die Vitalität einer Szene, die den direkten Kontakt und die physische Präsenz sucht.

Einen kontrastreichen Aufbruch markiert dazu die Wahl der Thuner Sängerin Veronica Fusaro zur Schweizer Vertreterin für den Eurovision Song Contest 2026, der im Mai in Wien stattfinden wird. Am Mittwoch wurde ihr Song «Alice» offiziell präsentiert – eine kraftvolle Rockballade, die das Thema Gewalt gegen Frauen thematisiert. Damit setzt die Schweiz auf eine inhaltlich starke Botschaft für die grosse Bühne in Wien.

Die Börse als Spiegel der Krisen und Erholungen

Historisch gesehen ist der März ein Schicksalsmonat für den Schweizer Finanzplatz. Ein Blick ins Archiv führt uns zum 12. März 2003, als der SMI auf dem Höhepunkt der Dotcom-Krise bei 3'675 Punkten seinen Tiefpunkt erreichte. Es war der Moment der grössten Verunsicherung nach dem Platzen der Internet-Blase.

Doch die Geschichte der Börseneinbrüche ist auch eine Geschichte der technologischen und strukturellen Neuorientierung. Ob beim ersten «Black Friday» 1869, dem Crash von 1929 oder dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 – jeder Kollaps löste Schockwellen aus, die das Finanzsystem nachhaltig prägten. Auch der «Schwarze Montag» von 1987, an dem der Schweizer Markt massiv einbrach, testete die Resilienz der Anleger. Legendär ist der «Tanz der Vampire» aus dem Jahr 1996 (Bild), als die Händler in Zürich auf den Tischen das Ende des Ringhandels feierten. Es war der Abschied von der physischen Präsenz hin zum digitalen Handel vor dem Bildschirm – ein Wandel, der selbst in wirtschaftlich besten Zeiten kaum ausgelassener hätte sein können.

Dieser strukturelle Mut setzte sich fort: So markierte das Jahr 2000 mit der Einführung der ersten ETFs (Exchange Traded Funds) an der Schweizer Börse den Beginn einer neuen Ära des Investierens. Im März 2001 folgte schliesslich die Lancierung der ersten Produkte auf den SMI, was den Grundstein für den modernen, passiven Anlagemarkt legte.

Während heute US-Zölle und Handelskonflikte erneut für Verunsicherung sorgen, belegt der Blick in die Vergangenheit, dass Krisen oft der Nährboden für technologische Umbrüche und damit strukturelle Fortschritte sind.

Weitere historische Themen

Zahl der Woche - 61,9

Mit 61,9 Prozent Nein-Stimmen lehnte das Schweizer Stimmvolk am 8. März 2026 die Initiative «200 Franken sind genug!» ab. Unmittelbar nach der Abstimmung hat die Diskussion über den Umfang des Service Public erneut an Dynamik gewonnen.

Im Fokus steht die künftige Abgrenzung zwischen nationalem Sender und privaten Medienanbietern, insbesondere in den Bereichen Sportberichterstattung und Unterhaltung. Während der Bundesrat bereits eine moderate Senkung der Abgabe auf Verordnungsebene prüft, fordern Branchenverbände eine präzisere Definition des Kernauftrags. Die medienpolitische Auseinandersetzung verlagert sich damit von der Gebührenhöhe auf die inhaltliche Ausgestaltung des öffentlichen Rundfunks.

Weitere Zahlen

Kehrtwende in der Energiepolitik

In der zweiten Woche der Frühjahrssession hat der Ständerat für eine energiepolitische Kehrtwende eingeleitet: Mit 27 zu 13 Stimmen trat die Kleine Kammer auf einen Gegenvorschlag zur «Blackout-Initiative» ein und will damit das Neubauverbot für Kernkraftwerke aufheben.

Das politische Votum zur Atomkraft steht in scharfem Kontrast zur baulichen Realität vor Ort: Während in Bern über eine nukleare Zukunft debattiert wird, dokumentiert unser Fotograf Peter Klaunzer regelmässig den unaufhaltsamen Rückbau im Kernkraftwerk Mühleberg. Der Rückbau wird voraussichtlich noch bis ins Jahr 2034 andauern.