Ja, auch Keystone-SDA nutzt KI zum Verfassen von Texten

KEYSTONE / Gaëtan Bally
Text In eigener Sache

Wie die meisten Medien nutzt auch Keystone-SDA in ihrer täglichen Arbeit Künstliche Intelligenz. Selbstverständlich unter absoluter Einhaltung unserer journalistischen Standards und einer strengen Sorgfaltspflicht, denn diese sind die Garanten unserer Glaubwürdigkeit.

Kürzlich haben wir über die verschiedenen Tools informiert, die in der gesamten Redaktion eingesetzt werden. Unsere Praxis in Bezug auf KI ist im Vademecum festgehalten, das jeden Monat an die Kundinnen und Kunden unserer Dienste verschickt wird und die wichtigsten Punkte unseres Redaktionshandbuchs aufgreift.

KI-Tools kommen bei uns unterstützend zum Einsatz, etwa bei der Transkription von Interviews, der Zusammenfassung langer juristischer Dokumente oder bei der Suche nach Ideen. Die KI beteiligt sich aber auch - teilweise oder vollständig - am Schreiben von Meldungen. Konkret reicht dies von Vorschlägen für Titel und Lead bis hin zum Schreiben von Textentwürfen, beispielsweise auf Grundlage von Medienmitteilungen.

Die Maschine ist niemals schuld

Die Anwendung von KI-Tools erfordert eine grosse Wachsamkeit. Wir sind uns bewusst, dass die Tools und deren Anwendung nicht ohne Risiken sind. Die Anfragen und Gespräche mit unseren Kunden und Partnern in den vergangenen Monaten zeigen, dass dieses Thema berechtigterweise ein hohes Interesse weckt. Das liegt an der Schlüsselaufgabe der Nachrichtenagentur: die Kundenredaktionen mit faktenbasierten, ausgewogenen und vor allem verifizierten Informationen zu versorgen, die keine zusätzliche Kontrolle erfordern.

Ändert Künstliche Intelligenz etwas an diesem Auftrag und an dem Vertrauen, das unsere Kunden der Agentur entgegenbringen können? Absolut nicht. Digitale Assistenten bleiben ein Hilfstool in unserer Produktion, sie entbinden uns von nichts. Wir bleiben für alles, was wir veröffentlichen, voll verantwortlich. Auch die in der Agentur geltenden journalistischen Regeln bleiben strikt dieselben - insbesondere in Bezug auf Faktentreue und Zuverlässigkeit.

Alle unsere Texte werden systematisch und vollständig von der Redaktion kontrolliert. Die Journalisten “eignen” sich ihre Meldungen durch die Autorenzeile an, auch wenn es nur einfache Initialen sind. Unsere Redaktorinnen und Redaktoren lesen Korrektur, prüfen, schreiben um und übernehmen letztendlich die Verantwortung für jedes Wort ihres Artikels. Und im Fall eines Fehlers kommt es nicht in Frage, die Schuld der Maschine zuzuschieben.

Wir wollen keine Verwirrung stiften

Wie handhaben wir das Thema Kennzeichnung und Transparenz? Weisen wir systematisch auf die Nutzung von KI hin? Die Antwort lautet nein. Warum gehen wir so vor? Ist das eine Form der Täuschung gegenüber den Lesenden? Wir glauben nicht.

Wie bereits erwähnt, spielt die KI einerseits eine unterstützende Rolle in einem Produktionsprozess, der vollständig unter der Kontrolle der Redaktion bleibt. Eine Kennzeichnung von KI-Unterstützung würde darauf hinauslaufen, Verwirrung über die Verantwortung für den Inhalt zu stiften.

Andererseits stellen wir uns die Frage, ab wann genau eine solche Deklaration notwendig wäre. Eine Schwelle festzulegen, ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, da die Rollen des Menschen und der Maschine eng miteinander verflochten sind. Mehr als die ursprüngliche Herkunft der Wörter zählt die Validierung, die endgültige „Aneignung“ des Textes durch den Journalisten oder die Journalistin. Technologische Werkzeuge wie Claude, ChatGPT oder Gemini ersetzen nicht die Sorgfaltspflicht der Autorin oder des Autors.

Wir sind uns bewusst, dass uns diese Praxis (die wir regelmässig überprüfen) noch stärker in die Pflicht nimmt, und wir übernehmen diese Verantwortung voll und ganz. Wir wollen das Vertrauen unserer Kundinnen und Kunden bewahren und unsere zentrale Rolle in der Schweizer Medienlandschaft weiterhin wahrnehmen.

Federico Bragagnini, Chefredaktor