Themen der Woche 30
Ob Sommerstau am Gotthard, schmelzende Alpen-Gletscher oder die Debatte um einen längeren Mutterschaftsurlaub: Wir beleuchten die Themen der Woche. Und mittendrin sorgt Kater Larry im Downing-Street-Trubel für gewohnte Ruhe.
«Es stinkt uns!»
Im Fokus
Sommer für Sommer spielt sich an der Gotthard-Achse das Gleiche ab. Wenn sich die Kolonnen vor den Tunnels auf bis zu 20 Kilometer stauen, suchen Navis den Weg durch die Dörfer. Die Folgen für die Anwohnergemeinden in Uri und im Tessin sind massiver Lärm, Abgase und verstopfte Ortskerne. «Ihr fahrt uns mitten durch die Stube!», schlagen Betroffene Alarm. Der Druck auf die Politik, den Ausweichverkehr endlich effektiv zu stoppen, wächst.
Um die Hauptachsen und Dörfer zu entlasten, prüft der Bund auf Antrag des Parlaments eine dynamische Transitgebühr zur Entlastung der Spitzenzeiten («Alpen-Maut»). Während Betroffene und Umweltverbände auf rasche Lenkungsmassnahmen drängen, bleiben verfassungsrechtliche Fragen sowie Vorbehalte bezüglich der Anbindung des Tessins umstritten.
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum sich Reisende Jahr für Jahr freiwillig in den Stau stellen, obwohl die Prognosen bekannt sind?
Vom Verschwinden der Gletscher
Rückblende
Seit 1850 verliert die Schweiz ihr ewiges Eis in historischem Ausmass. Die Gletscherfläche schrumpfte von rund 1’800 auf knapp 960 Quadratkilometer, während das Eisvolumen von geschätzten 130 auf heute etwa 45 bis 47 Kubikkilometer einbrach. Seit den 1930er-Jahren schmolz die Hälfte des Volumens weg, ein Viertel der verbliebenen Masse allein im letzten Jahrzehnt. Über 1’000 kleine Gletscher sind bereits komplett verschwunden. Selbst der Grosse Aletschgletscher im Wallis, mit knapp 20 km Länge und 80 km² Fläche der mächtigste der Alpen, büsst am Konkordiaplatz jährlich stellenweise 5 bis 6 Meter an Eishöhe ein.
Von den verbleibenden rund 1’400 Gletschern werden heute 176 systematisch durch das Schweizer Messnetz GLAMOS überwacht. Ohne konsequenten globalen Klimaschutz werden bis Ende des Jahrhunderts über 80 bis 90 Prozent der Schweizer Eismasse verschwunden sein und nur noch isolierte Reste in den allerhöchsten Gipfellagen zurückbleiben.
Wir machen diesen Wandel sichtbar und dokumentieren den Zustand der Schweizer Gletscher von historischen Aufnahmen bis in die Gegenwart.
7
Zahlen, bitte
Seit 2011 dient der «Chief Mouser to the Cabinet Office» als Mäusefänger im britischen Regierungssitz. Sechs Bewohner hat der weltberühmte Kater Larry in der Downing Street 10 bereits erlebt. Während seiner Dienstzeit sah die Katze David Cameron, Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss, Rishi Sunak und Keir Starmer kommen und gehen. Mit Andy Burnham zieht nun bereits der 7. Premierminister bei Larry ein.
Kontinuität gibt es im Whitehall derzeit wohl nur auf vier Pfoten.
Sechs Monate Mutterschaftsurlaub?
Hintergrund
Mit knapp 111’000 Unterschriften hat eine breit abgestützte Petition für einen sechsmonatigen Mutterschaftsurlaub ein starkes Signal nach Bern gesendet. Die Unterzeichnenden fordern, den bezahlten Mutterschaftsurlaub in der Schweiz von heute 14 Wochen auf 26 Wochen (sechs Monate) auszuweiten, um die Gesundheit von Mutter und Kind in den ersten entscheidenden Lebensmonaten zu stärken, den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben zu erleichtern und berufliche Nachteile für Frauen abzufedern.
Der Handlungsbedarf wird auch international begründet: Mit aktuell 14 Wochen rangiert die Schweiz im OECD-Vergleich am unteren Ende, während der Durchschnitt bei über 50 Wochen bezahlter Elternzeit liegt. Selbst direkte Nachbarländer wie Deutschland, Österreich oder Frankreich bieten durch längere Auszeiten und erweiterte Mutterschutz-Modelle ein deutlich dichteres Sicherheitsnetz.
