Themen der Woche 37
Die Themen der Woche im Überblick: Von den Milliarden-Debatten der Herbstsession über historische Tiefwerte bei der Kartoffelernte bis hin zu Lehren aus dem Krisenherbst 2001 und den in Zürich verliehenen Ig-Nobelpreisen.
3 Wochen, 246 Räte und ein paar Milliardenentscheide
Fokus
Vom 14. September bis zum 2. Oktober verwandelt sich das Bundeshaus wieder in das politische Epizentrum der Schweiz: Drei Wochen lang ringen die 246 Mitglieder von National- und Ständerat um wegweisende Richtungsentscheide.
Im Zentrum der Herbstsession stehen drei finanz- und aussenpolitische Schwergewichte: Der Machtkampf um die Bankenregulierung mit 15 bis 25 Milliarden US-Dollar an gefordertem Eigenkapital für die UBS, die Armeebotschaft über 3,4 Milliarden Franken samt Debatte über einen Rüstungsfonds sowie der Auftakt zur Beratung des neu ausgehandelten EU-Vertragspakets (Bilaterale III).
Vom Lohndeckel für Krankenkassen-Kader über das 20-Millionen-Hilfspaket für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana bis hin zur Notfallgebühr an Spitälern: Die Räte verhandeln über 20 zentrale Dossiers, die den Wirtschaftsstandort und den Alltag der Schweizerinnen und Schweizer direkt betreffen.
Wir berichten täglich live aus dem Bundeshaus.
Was die Schweiz aus dem Katastrophen-Herbst 2001 lernte
Rückblende
Brennende Trümmer in New York, ein abgesperrtes Regierungsgebäude in Zug und am Boden stehende Swissair-Flugzeuge in Kloten: Der Herbst 2001 konfrontierte die Schweiz innerhalb weniger Wochen mit einer Serie schwerer Krisen.
Auf die Anschläge vom 11. September folgten das Attentat im Zuger Kantonsrat, das Grounding der nationalen Fluggesellschaft, die Brandkatastrophe im Gotthard-Strassentunnel sowie der Crossair-Absturz bei Bassersdorf. Die zeitliche Dichte dieser Ereignisse offenbarte fundamentale Schwachstellen und leitete ein grundlegendes Umdenken auf allen gesellschaftlichen, staatlichen und wirtschaftlichen Ebenen ein.
In der Folge entwickelten staatliche Stellen und Wirtschaft neue Standards im Risikomanagement: Das Attentat von Zug führte schweizweit zu Sicherheitsschleusen in Parlamentsgebäuden und kantonalen Bedrohungsmanagementsystemen.
Die Brandkatastrophe im Gotthard mündete in das bis heute gültige Dosiersystem («Tropfenzähler») für den Schweizer Schwerverkehr und neue Sicherheitskonzepte im Alpentransit. Gleichzeitig erzwangen der Zusammenbruch der Swissair und das Unglück von Bassersdorf verbindlichere Regeln für Verwaltungsräte, Liquiditätskontrollen sowie verschärfte Aufsichtsstandards in der Zivilluftfahrt.
Wie das Land diesen Schock verarbeitete, erklärt das Gesicht der Schweiz in der Not, Alt Bundesrat Moritz Leuenberger, im ausführlichen Interview mit unserem Bundeshausredaktor Sebastian Gänger.
Visuals zum Katastrophen-Herbst 2001:
- 11.09.2001 – Terroranschläge 9/11 (Dossier)
- 27.09.2001 – Attentat im Zuger Kantonsrat
- 02.10.2001 – Swissair Grounding (Dossier)
- 24.10.2001 – Brandkatastrophe im Gotthard-Strassentunnel
- 24.11.2001 – Crossair-Absturz bei Bassersdorf
333'000
Zahlen
Die historische Sommerdürre führt zu einem Rekordtief bei der Schweizer Kartoffelernte: Mit schätzungsweise nur 333'000 Tonnen fällt das Erntevolumen so tief aus wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.
Der Ertragseinbruch von knapp 20 Prozent trifft das Land an einem empfindlichen Punkt, denn der Pro-Kopf-Konsum liegt bei beachtlichen 45 Kilo pro Jahr. Das entspricht rund 140 Gramm täglich pro Person, wobei verarbeitete Produkte wie Pommes frites und Chips mittlerweile 60 Prozent des Bedarfs ausmachen.
Um den Inlandsbedarf zu decken, müssen heuer fast 130'000 Tonnen importiert werden. Dieser Engpass befeuert die Agrarpolitik: Die Branche fordert vom Bund den raschen Zugang zu neuen Züchtungstechnologien wie der Gen-Schere (CRISPR/Cas), um klimaresistentere Sorten schneller auf die Äcker zu bringen.
Zuerst zum Lachen, dann zum Denken
Hintergrund
Erstmals seit 35 Jahren sind die Ig-Nobelpreise – der wohl skurrilste Wissenschaftspreis der Welt – ausserhalb der Vereinigten Staaten verliehen worden. Im Zürcher Kongresshaus ehrte die Zeitschrift Annals of Improbable Research Studien, die «zuerst zum Lachen und dann zum Denken anregen».
Unter den Prämierten ist auch ein Team der Universität Zürich und Agroscope: Für ihr Experiment mit vergrabenen Baumwollunterhosen zur Messung der Bodengesundheit erhielten die Forschenden den Preis für Bodenkunde. Weitere Auszeichnungen gingen an Teams für spritzfreie Pissoirs, nahrhafte Kakerlakenmilch oder die Erkenntnis, dass Teenager-Geruch für Eltern weniger attraktiv ist als Babyduft.
Dass es sich bei der feierlichen Verleihung keineswegs um reine Klamauk-Wissenschaft handelt, unterstrichen prominente Trophäen-Überreicher wie der Schweizer Physik-Nobelpreisträger Michel Mayor. Er betonte gegenüber unserer Wissenschaftsredaktorin Céline Elber, dass hinter den amüsanten Ansätzen durchaus ernsthafte Forschungsfragen steckten.
Die Inszenierung blieb dennoch gewohnt schrill: Die Gewinner erhielten wertlose 10-Billionen-Dollar-Scheine aus Simbabwe, und das strikte Zeitlimit für Dankesreden wurde von Personen in Bananenkostümen durchgesetzt.
Künftig soll die internationale Verleihung alle zwei Jahre in Zürich stattfinden und in den Zwischenjahren durch Europa touren. Wir berichten an dieser Stelle gerne wieder, allerdings erst in zwei Jahren.
