Themen der Woche 44
Diese Woche blicken wir auf globale Wahlen an Schweizer Urnen, analysieren den historischen Umbau am Migros-Grill, beziffern die Vorräte der Schweizer Salinen für den Winterdienst und zeigen, wie die Spitäler in Genf und Zürich einen Ebola-Ernstfall hermetisch abriegeln.
Weltpolitik an Schweizer Urnen
Fokus
Lange Warteschlangen vor Konsulaten und Botschaften prägten in den vergangenen Tagen das Bild in Zürich, Bern oder Genf. Rund um den Globus wird gewählt, und die weltpolitischen Spannungsfelder spiegeln sich direkt auf Schweizer Trottoirs wider.
Während serbische Staatsangehörige vor dem Generalkonsulat in Zürich für die Parlamentswahlen anstanden, blickten auch die Gemeinschaften aus Brasilien und Israel gebannt auf die Urnen ihrer Herkunftsländer.
Diese Wahlen bewegen Zehntausende in der Schweiz lebende Menschen: Über 60'000 serbische Staatsangehörige bilden eine der grössten Diasporagemeinschaften des Landes, hinzu kommen rund 20'000 Brasilianerinnen und Brasilianer sowie über 20'000 US-Bürger, die nächste Woche mit den mit Spannung erwarteten Midterms die Weichen in Washington stellen.
Ob unerwartete Wahlausgänge wie in Belgrad, hauchdünne Entscheidungen in Südamerika oder die Zitterpartie in Israel: Die weltweiten Richtungswahlen werden auch am Küchentisch zwischen Zürich und Genf mitentschieden und mitgefiebert.
Nur noch ein Grillmeister
Rückblende
Mit dem Plan für eine historische Grossfusion hat die Migros diese Woche das Fundament ihrer 100-jährigen Struktur zur Disposition gestellt. Der Detailhandelsriese will seine zehn eigenständigen Regionalgenossenschaften und den nationalen Bund (MGB) zu einer einzigen Gruppe verschmelzen, um das Supermarktgeschäft künftig straff aus einer Hand zu führen.
«Elf Grillmeister an einem Grill» seien für die Herausforderungen der Zukunft schlicht zu träge geworden, begründete Migros-Chef Mario Irminger den radikalen Schritt gegen die Konkurrenz von Coop, Discountern und grenznahem Einkaufstourismus.
Das föderale System, von Gründer Gottlieb Duttweiler einst als regionale Verankerung gedacht, weicht dem Zwang zu schnelleren Entscheidungen und zum Abbau von Doppelspurigkeiten in den Verwaltungen.
Ob die Entmachtung der regionalen Fürstentümer gelingt, entscheidet sich Mitte 2027 an der Urabstimmung: Jede einzelne Genossenschaft muss dem Machtverzicht mit einer Zweidrittelmehrheit zustimmen. Für den Schweizer Detailhandel markiert der Vorstoss dieser Woche den Abschied von einer Epoche, in der genossenschaftliche Vielfalt mehr zählte als zentrale Durchschlagskraft.
200’000
Zahlen
Bevor der erste Kälteeinbruch Strassen und Pässe vereist, läuft die Schweizer Winterlogistik an. Rund 200’000 Tonnen Streusalz lagern die Schweizer Salinen vor Saisonbeginn ein. Je nach Wetter schwankt der nationale Verbrauch von rund 100’000 Tonnen in milden Jahren bis zu 360’000 Tonnen in extremen Rekordwintern.
Um die 2’255 Kilometer des Nationalstrassennetzes eisfrei zu halten, schickt das ASTRA über 400 Räumfahrzeuge auf die Piste. Moderne Technik dosiert sparsam: Befeuchtetes Salz mit 30 Prozent Soleanteil drückt den Verbrauch auf 10 bis 20 Gramm pro Quadratmeter.
Für Versorgungssicherheit sorgt gigantischer Vorrat: Bei einer Tagesproduktion von bis zu 2’000 Tonnen in Pratteln und Bex fasst allein der Speicherkuppelbau «Saldome» im aargauischen Riburg bis zu 100’000 Tonnen Salzreserve.
Eine Festung gegen das Virus
Hintergrund
Als die gelbe Isolationskapsel aus dem Helikopter rollt, greift der Ernstfall: Nach der Rückführung einer an Ebola erkrankten Schweizerin aus Nigeria zeigt sich die hiesige Infrastruktur für hochansteckende Erreger im Einsatz, und dies erst zum dritten Mal in der Schweizer Geschichte.
Der Aufwand ist gigantisch, die Sicherheitsvorkehrungen ebenso. Dass kein Erreger entweichen kann, garantiert ein hermetischer Schutzwall. Ein permanenter Unterdruck verhindert, dass Luft beim Öffnen von Schleusen nach aussen dringt; HEPA-Filtersysteme reinigen die Abluft, während sämtliche Abwässer in Spezialtanks thermisch sterilisiert werden.
Hinter den Sicherheitsschleusen arbeitet das Personal in fremdbelüfteten Schutzanzügen. Da die Belastung unter der Haube enorm ist und das Entkleiden (Doffing) peniblen Vier-Augen-Kontrollen folgt, sind die Einsatzzeiten kurz: Rund um die Uhr bindet ein einziger Fall ein Team von bis zu zwei Dutzend Spezialisten im Schichtbetrieb.
Ein solcher Maximalaufwand bündelt Spitzenmedizin und Biosicherheit auf wenigen Quadratmetern. Derzeit stehen beide dafür ausgerüsteten Schweizer Zentren im Einsatz: Die Patientin wird an den Universitätsspitälern Genf (HUG) behandelt, ihr Ehemann am Universitätsspital Zürich (USZ) isoliert.
