Themen der Woche 20
Von einer glanzvollen Privatsammlung und dem Erbe einer Jahrhundertschriftstellerin bis hin zum Abschied vom ikonischen Dienstbüchlein - wir blicken auf die Themen der Woche und beleuchten ein dunkles Kapitel Schweizer Sozialgeschichte in unseren visuellen Perspektiven.
Bundesrätin trifft auf Baronin
Aufgefallen
Ein besonderer Moment: Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider am 9. Mai 2026 vor dem Gemälde «Bildnis der Baronin Pauline Jeanine» von Jacques-Louis David (1748–1825) in der Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz».
Nach einer umfassenden Renovierung der historischen Villa wurden die über 200 europäischen Meisterwerke einer der weltweit wichtigsten Privatsammlungen des 20. Jahrhunderts feierlich neu inszeniert und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.
«Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.»
Bildarchiv
Ingeborg Bachmann, die am 25. Juni 100 Jahre alt geworden wäre, machte lange vor der Frauenbewegung in Werken wie Malina deutlich, dass gesellschaftliche Unterdrückung die Gewalt des Krieges mit anderen Mitteln fortsetzt.
Mit radikaler Sprachkritik hinterfragte sie zudem, ob eine männlich und nationalsozialistisch geprägte Sprache überhaupt fähig ist, weibliche Erfahrung und wahre Identität auszudrücken.
Als zentrale intellektuelle Vorbildfigur bewies sie nachfolgenden Generationen, dass höchste lyrische Sensibilität und analytische Strenge keine Gegensätze sind.
Ingeborg Bachmann, deren Suche nach einer dem Menschen zumutbaren Wahrheit bis heute nichts an ihrer Aktualität verloren hat, verstarb 1973 in Rom.
10'000'000+
Zahl der Woche
Diese Woche markiert das definitive Ende des Dienstbüchleins, das über Generationen als gelbes oder graues Dokument in fast jeder Schweizer Kommode lag.
Schätzungen gehen davon aus, dass seit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht weit über 10 Millionen dieser ikonischen Hefte ausgestellt wurden – jedes einzelne ein lückenloses Protokoll eines Bürgerlebens.
Nun weicht die Tradition der totalen Digitalisierung. Per Juni 2026 übernimmt der digitale «Dienstmanager» via App alle administrativen Aufgaben. Das ikonische Büchlein mit seinen Stempeln und Einträgen wandert nun endgültig vom Marschgepäck ins Museum.
Weitere Zahlen.
«Versorgt, Verdingt. Vergessen?»
Hintergrund
Die Wanderausstellung «Versorgt, Verdingt. Vergessen?» widmet sich einem der schwersten Kapitel der Schweizer Sozialgeschichte. Sie beleuchtet das Schicksal zehntausender Menschen, die bis in die 1980er-Jahre von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen betroffen waren.
Die im Auftrag des Bundesamtes für Justiz realisierte Schau kombiniert persönliche Lebensgeschichten mit wissenschaftlich fundierten Einblicken in den langen Weg der politischen Aufarbeitung.
Besuchende werden direkt mit der Frage konfrontiert, ob sich vergangenes Leid wiedergutmachen lässt und wie eine Wiederholung solcher Ereignisse verhindert werden kann.
Vom 14. Mai bis 23. Oktober ist die Ausstellung im Museum Luzern zu sehen.
