Themen der Woche 35
Die Themen der Woche spannen den Bogen von Albert Röstis Dürre-Paket mit Schlagzeug-Takt über den drohenden Gletscherabbruch ob Randa bis hin zur spektakulären Reise des 174-jährigen Wals und zeitgenössischer Kunst in Chur. Hier entdecken Sie Zustand und Zukunft des Landes!
Bundesrat reagiert auf Hitzesommer
Fokus
Nach der anhaltenden Trockenperiode und Rekordtemperaturen hat der Bundesrat diese Woche ein Massnahmenpaket präsentiert: Einmalig 54 Millionen Franken für existenzbedrohte Bauernbetriebe sowie jährlich 17,5 Millionen Franken für die Waldwirtschaft. Damit reagiert die Landesregierung auf den Niederschlagsmangel, der Landwirtschaft, Wälder und Stromproduktion stark belastet.
Die Entscheide verdeutlichen die politische Debatte im Bundeshaus: Während der Bundesrat kurzfristig Dürrehilfe leistet und den Borkenkäfer im Wald bekämpft, kritisiert die Opposition das Paket scharf. SP, Grüne und GLP forderten eine ausserordentliche Debatte in der Herbstsession sowie einen Kurswechsel in der Klimapolitik.
Umweltminister Albert Rösti wies die Kritik zurück und betonte die Handlungsfähigkeit des Bundes. Spezifische Massnahmen wie der Hitzeschutz in Altersheimen lägen in der Verantwortung von Kantonen und Gemeinden.
Für ein prägnantes Bild sorgte der Umweltminister selbst: Am Mittwoch trat Albert Rösti vor die Bundeshausmedien, um das Millionen-Paket gegen die Folgen der Dürre zu präsentieren – nur drei Tage nachdem er am Sonntag am Trychlerfest in Schüpfen noch als Taktgeber am Schlagzeug im Festzelt aufgetreten war.
Wiederholt sich die Geschichte?
Rückblende
Nach drei aufeinanderfolgenden Bergstürzen bei Randa VS im Mattertal werden die Einwohnerinnen evakuiert und eilen auf den Zug: Die Aufnahme vom Mai 1991 dokumentiert eine der dramatischsten Naturkatastrophen des Kantons Wallis. Innerhalb weniger Wochen donnerten damals rund 30 Millionen Kubikmeter Gestein ins Tal, verschütteten die Verkehrswege nach Zermatt und stauten die Matter Vispa auf.
35 Jahre später steht Randa VS erneut im Fokus der Geologen. Am Hängegletscher Weisshorn Ost registrieren die Fachstellen seit Juni eine deutliche Zunahme der Bewegungen. Durch die anhaltend hohen Temperaturen gelangt vermehrt Schmelzwasser an das Gletscherbett, wo es wie ein Schmiermittel wirkt und die Fliessgeschwindigkeit der Eismassen beschleunigt. Nach mehreren Abbrüchen zu Beginn der Woche erhöhte die Gemeinde die Überwachung auf Stufe 3, was eine engmaschige Radarbeobachtung sowie die Sperrung des gefährdeten Perimeters umfasst.
174
Zahl
174 Jahre Geschichte, 11 Meter Länge und 1,6 Tonnen Gewicht: Das präparierte Skelett eines Seiwals hat seinen Standort gewechselt. Per Spezialkran und auf einem Tieflader transportierten Fachleute das historische Museumsstück quer durch Freiburg, vom bisherigen Naturhistorischen Museum (MHNF) zum rund einen Kilometer entfernten, ehemaligen Zeughaus an der Route des Arsenaux.
Der zweistündige Schwertransport auf der 600 Meter langen Luftlinie markiert als allererstes Exponat eine Schlüsseletappe beim Umzug der Institution. Am Zielort wird das Skelett des 1852 in Frankreich gestrandeten und seit 1898 in Freiburg ausgestellten Wals in einer massgefertigten, klimatisierten Holzkiste gelagert. Dort verbleibt die Wahrzeichen-Figur des Museums geschützt, bis sie in die neue Dauerausstellung integriert wird. Die Wiedereröffnung des MHNF am neuen Standort ist für Ende 2028 geplant.
Zustand und Zukunft der Welt
Hintergrund
Mit den parallelen Ausstellungen von Thomas Hirschhorn («My Atlas») und Jules Spinatsch («1964–2155») zeigt das Bündner Kunstmuseum in Chur zwei international einflussreiche Schweizer Gegenwartskünstler. Die Doppelschau vereint Arbeiten, die sich an den Schnittstellen von Ästhetik, Politik und Dokumentation bewegen.
«My Atlas» versteht sich als persönliche Kartografie, in der Thomas Hirschhorn sein eigenes Denken («My») mit dem Zustand der Welt («Atlas») konfrontiert. Statt einer klassischen Retrospektive legt der Künstler auf 45 grossformatigen Kartontafeln sein Bildarchiv offen – ein begehbares Gefüge aus Materialien, Skizzen und politischer Haltung.
Jules Spinatsch wiederum spannt in «1964–2155» ein Zeitfenster von 191 Jahren auf, das von seinem Geburtsjahr bis in eine spekulative Zukunft reicht. Mit halbautomatischen Panoramaprojekten, etwa vom WEF in Davos, thematisiert der gebürtige Bündner die Kontrollmechanismen der Mediengesellschaft.
Die Doppelschau in Chur beleuchtet damit zentrale Fragen zeitgenössischer Kunst zu Machtstrukturen, Überwachung und Eigenverantwortung.
