Themen der Woche 39

Eine Person schaut in die ferne auf der Alp Flimserstein, aufgenommen am Samstag, 19. September 2026 in Flims.
KEYSTONE / Michael Schmid
Foto

Vom traditionellen Alpabzug über den Rückblick auf 20 Jahre Asylgesetz und die Hightech-Jagd auf Asiatische Hornissen bis hin zur politischen Debatte um die «Lex Ermotti». Die Themen der Woche beleuchten prägende Schweizer Momente.

Alpabzug

Fokus

Nach rund vier Monaten auf den Hochweiden kehren zehntausende Kühe, Ziegen und Sennen festlich geschmückt ins Tal zurück. Was auf den ersten Blick wie reine Folklore wirkt, ist für die Schweizer Berglandwirtschaft ein gigantischer Logistikakt aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den regionalen Tourismus, der tausende Besucher anlockt.

Vom kunstvollen Blumenschmuck («Tschäppel») über die schweren Treicheln bis hin zu den Trachten symbolisieren die Abzüge Ende September den Abschluss des Almsommers und den Beginn der Produktion geschützter Alpkäse-Spezialitäten.

Dass der Festumzug in diesem Jahr eine besondere Erleichterung mit sich bringt, zeigt der Blick auf die Wetterkapriolen der vergangenen Monate. Der heisse und trockene Sommer forderte von den Älplerinnen und Älplern beachtliches Verhandlungsgeschick mit der Natur. Wo Quellen auf den Hochweiden knapp wurden oder das Gras früher ausdörrte, reagierten die Betriebe flexibel.

Manche Staffeln wurden vorausschauend früher ins Tal verlegt oder das Futter umsichtig rationiert. Dass der Almsommer trotz dieser klimatischen Herausforderungen ohne grössere Zwischenfälle gemeistert werden konnte, feiert die Landwirtschaft mit den traditionellen Umzügen umso stolzer.

20 Jahre Asylgesetz 2006 – Das Echo einer historischen Abstimmung

Rückblende

Vor genau zwei Jahrzehnten, am 24. September 2006, setzte das Schweizer Stimmvolk einen Meilenstein in der Migrationspolitik: Mit einer deutlichen Mehrheit von 67,8 Prozent hiessen die Stimmberechtigten das revidierte Asylgesetz gut. Es war der vorläufige Höhepunkt einer jahrelangen, hoch polarisierten Debatte.

Die Vorlage führte unter anderem den umstrittenen Schnell-Ausschluss für Menschen ohne Ausweispapiere ein, strich die Sozialhilfe für abgewiesene Asylsuchende zugunsten der Nothilfe und verschärfte die Zwangsmassnahmen bei der Ausschaffung drastisch.

Der Blick zurück offenbart eine verblüffende zeitliche Parallele zur aktuellen Herbstsession des Parlaments. Damals wie heute standen die gleichen Grundfragen im Zentrum der politischen Auseinandersetzung: Wie begegnet der Rechtsstaat steigenden Asylanträgen und logistischen Engpässen in den Kantonen, ohne seine humanitäre Tradition aufzugeben?

Der Richtungsentscheid von 2006 prägt die Schweizer Asylpraxis bis in die Gegenwart und zeigt, dass das Ringen um die Balance zwischen Kontrolle, Zuwanderungssteuerung und Grundrechtsschutz im Bundeshaus ein Dauerbrenner der jüngeren eidgenössischen Geschichte bleibt. 

0,2

Zahlen

Die Invasion der Asiatischen Hornisse rollt derzeit mit voller Wucht durch die Schweiz. «Die Asiatische Hornisse ist eine der invasivsten Arten, die die Schweiz je erlebt hat», ordnet Biologin Carine Vogel die Lage gegenüber Keystone-SDA ein. Neben Westschweizer Brennpunkten breitet sich das Insekt rasant in weiteren Kantonen aus (VD, GE, JU, BS, BL, AG, SO, BE).

Für die heimische Biodiversität ist das verheerend. Ein einziges Nest beherbergt bis zu 13'000 Individuen und vertilgt pro Saison mehrere Kilogramm Insekten, wobei vor allem Bienenstöcke attackiert werden.

Um die meist gut getarnten Nester in 10 bis 30 Metern Höhe in den Baumkronen aufzuspüren, setzen Fachleute auf aufwändige Telemetrie. Spezialisten wie der Genfer Imker Kévin Golay fangen einzelne Hornissen und statten sie mit winzigen, nur 0,2 Gramm schweren Funksendern aus.

Die Insekten fliegen mit der Zusatzlast zurück zu ihrer Königin und leiten die Fachleute per Antenne direkt zum Versteck. Sobald der Standort über das Radiofrequenz-Signal exakt lokalisiert ist, rücken Spezialteams zur Vernichtung an. Der Aufwand ist nötig: Übersteht ein einziges Nest den Spätherbst, ziehen daraus bis zu 500 neue Jungköniginnen für das Folgejahr aus.

Lex Ermotti

Hintergrund

Sergio Ermotti ist der Mann der Stunde auf dem Schweizer Finanzplatz und der Chefarchitekt eines Bankenkolosses, dessen Bilanzsumme von 1,6 Billionen Dollar die Schweizer Wirtschaftsleistung bei Weitem übersteigt.

Nachdem der Tessiner die UBS bereits von 2011 bis 2020 nach der Finanzkrise umgebaut hatte, holte ihn Verwaltungsratspräsident Colm Kelleher als Wunschnachfolger des glücklosen Ralph Hamers zurück. Ermottis Auftrag: Die historisch einmalige Herkulesaufgabe, die gescheiterte Credit Suisse zu integrieren.

Doch kurz vor der entscheidenden Debatte im Bundeshaus schaltete der UBS-Chef auf Angriff und erlitt eine empfindliche Niederlage. Mit Vorwürfen an die Aufsichtsbehörden Finma und SNB sowie scharfer Kritik an Finanzministerin Karin Keller-Sutter wollte Ermotti die drohenden verschärften Eigenkapitalvorschriften abwenden. Doch seine rhetorische Breitseite erreichte im Ständerat das Gegenteil.

Rechtsexperten sprechen offen von einer Polarisierung durch Ermottis Auftreten, die das Parlament erst recht auf Distanz zum Bankenriesen trieb. Die kleine Kammer stimmte am Mittwoch überraschend deutlich mit 33 zu 10 Stimmen für eine massive Verschärfung des Bankengesetzes.

Ob der Nationalrat in den kommenden Wochen an dieser harten Linie festhält oder der UBS noch mit einem moderateren Kompromiss entgegenkommt, wird zeigen, wie viel Macht Ermottis Wort in Bern noch hat.