Themen der Woche 43
Diese Woche analysieren wir, weshalb die Lex Koller die Wohnungsnot nicht löst. Gleichzeitig suchen in den Bergen die Schweizer Alpin Ski-Fahrer nach der schnellsten Linie und die Schweizer Lärchen nach den besten Überwinterungs-Strategien. Zudem schauen wir auf den Bau eines Mega-Rechenzentrums in Laufenburg.
Warum die Lex Koller die Mieten nicht senkt
Fokus
Im Kampf gegen steigende Mieten greift die Politik regelmässig nach altbewährten Rezepten. Vor allem linke Parteien fordern eine strikte Verschärfung der Lex Koller, jenes Gesetzes, das den Erwerb von Schweizer Grundstücken durch Personen im Ausland beschränkt, um ausländisches Kapital vom einheimischen Wohnungsmarkt fernzuhalten.
Doch während die Regelung den direkten Kauf von Eigentum und Renditeliegenschaften reglementiert, greift sie nach Ansicht von Fachleuten an der eigentlichen Wunde der Wohnungsnot vorbei. Auf den angespannten Mietmärkten von Zürich bis Genf entfaltet die Beschränkung kaum schützende Wirkung.
Dass das Gesetz die reale Wohnungsnot verfehlt, belegen auch unabhängige Gutachten. Über den Kauf von Anteilen an Schweizer Immobilienfonds und börsenkotierten Immobiliengesellschaften fliessen weiterhin ausländische Gelder in den Markt.
Gleichzeitig weichen Investoren auf Gewerbeliegenschaften aus. Die Folge sind anhaltend hohe Bodenpreise in den Zentren, die sich nach Sanierungen direkt in höheren Neumieten niederschlagen.
Während Befürworter in der Lex Koller ein unverzichtbares Signal gegen die Kommerzialisierung sehen, werten Ökonomen die Verknüpfung mit der Mietnot als politische Illusion. Das Gesetz schützt das Eigenheim vor dem direkten Verkauf ins Ausland, schafft aber für die Schweizer Mieterschaft keinen einzigen zusätzlichen Quadratmeter Wohnraum.
Feinschliff auf dem Engadiner Gletscher
Rückblende
Auf der Diavolezza in Pontresina absolvierten die Schweizer Skirennfahrer in den vergangenen Tagen ihre letzten Trainingseinheiten vor dem Saisonauftakt. Unter den Athleten zeigte sich auch Gesamtweltcupsieger Marco Odermatt zusammen mit dem alpinen Swiss-Ski-Team, wie sie sich auf den schneesicheren Hängen den Feinschliff für die ersten Rennkilometer der neuen Saison holten.
Die hervorragenden Pistenverhältnisse auf über 3'000 Metern Höhe boten dem Swiss-Ski-Team ideale Bedingungen für die Materialtests und die Feinabstimmung.
Der Trainingsaufenthalt im Bündner Hochtal markiert traditionell die heisse Phase der Vorbereitung vor dem ersten Kräftemessen der Weltelite. Am kommenden Wochenende, dem 24. und 25. Oktober 2026, steht auf dem Rettenbachgletscher im österreichischen Sölden, wie seit dem Jahr 2000 üblich, der erste Riesenslalom des Winters auf dem Programm.
Für das Schweizer Team geht es darum, die Form aus den Sommermonaten direkt in erste Weltcuppunkte umzumünzen, wie die Aufnahmen von Gian Ehrenzeller auf der Diavolezza dokumentieren.
2’000
Zahlen
Auf dem 40'000 Quadratmeter grossen Areal des historischen Stromknotenpunkts Stern von Laufenburg baut die Schweizer Unternehmensgruppe FlexBase bis 2028 den Rohbau und bis 2032 die gesamte Infrastruktur ihres neuen Technologiezentrums. Das Herzstück bildet ein 500-Megawatt-Rechenzentrum für künstliche Intelligenz mit einer Kapazität für mehrere Hunderttausend Hochleistungs-Prozessoren. Geplant ist zudem der weltweit grösste Redox-Flow-Batteriespeicher mit einer Kapazität von bis zu 2'000 Megawattstunden.
Das Rechenzentrum benötigt unter Volllast jährlich rund 4,3 Terawattstunden Strom. Die von FlexBase gewählte Redox-Flow-Technologie basiert auf flüssigen Elektrolyten, übersteht über 20'000 Ladezyklen und bietet mehr als 30 Jahre Lebensdauer ohne Brandrisiko. Über einen direkten Anschluss an das 380-Kilovolt-Höchstspannungsnetz sichert die Batterie die Energieversorgung der KI-Infrastruktur ab und fängt gleichzeitig Stromspitzen im europäischen Netz ab.
Die Fotostrecke von Christian Beutler zeigt den Bauplatz der FlexBase Group in Laufenburg, wo die Weichen für eine der modernsten Energie- und Dateninfrastrukturen Europas gestellt werden.
Das Rätsel der goldenen Lärchen
Hintergrund
Die alpinen Nadelwälder der Schweiz erleben im Spätherbst eine eindrückliche Verwandlung: Als einziger heimischer Nadelbaum wirft die Lärche vor dem Winter ihr gesamtes Kleid ab. Was im Engadin und Wallis wie ein reines Naturschauspiel wirkt, ist in Wahrheit eine hocheffiziente Überlebensstrategie.
Sobald die Tage kürzer werden, stellt der Baum die Photosynthese ein und zieht wertvolles Chlorophyll, Magnesium und Stickstoff aus den Nadeln zurück in Stamm und Wurzeln. Zurück bleiben die gelb-orangen Carotinoide, bis eine Korkschicht am Nadelansatz bei der kleinsten Böe den kontrollierten Abwurf auslöst, um das Gehölz vor Frosttrocknis und Schneebruch zu schützen.
Dass der farbenprächtige Prozess in den Schweizer Alpen, hat auch eine klimatologische Komponente. Wie Studien der ETH Zürich und Daten von MeteoSchweiz zeigen, sorgt das Zusammenspiel aus sonnigen Herbsttagen und kühlen Nächten für einen besonders raschen Chlorophyll-Abbau, während die steigenden Sommertemperaturen die Phase der bunten Wälder insgesamt nach hinten verlängern.
Das Nährstoff-Recycling im Herbst sichert der Lärche so den nötigen Vorsprung, um im Frühjahr in extremen Höhenlagen wieder blitzschnell auszutreiben.
