Themen der Woche 34
Vom Balanceakt im Spitalwesen über 100 Jahre Flugplatz Altenrhein bis zum dramatischen EM-Gold von Audrey Werro und dem teuren Schutz der Alpin-Infrastruktur. Die Themen der Woche zeigen die Schweiz zwischen Höchstleistung und grossen Herausforderungen.
Schweizer Spitäler zwischen Ausbau und Finanzdruck
Fokus
Nach zwölf Jahren Bauzeit steht der neue Trakt des Kantonsspitals Graubünden (KSGR) in Chur kurz vor der Eröffnung. Das 518 Millionen Franken teure Bauprojekt bündelt die Notaufnahme, die Intensivstation sowie neu 13 Operationssäle auf einer einzigen Etage. Es ist einer der grössten Bauten in der 85-jährigen Geschichte des Spitals.
Die höhere Kapazität begründet die Chirurgie-Leitung mit dem demografischen Wandel: Wegen der alternden Bevölkerung stieg die Zahl der Eingriffe in Chur in den letzten zehn Jahren von 15’000 auf rund 17’000 pro Jahr.
Der Fall Chur bringt die aktuelle Grundproblematik der Schweizer Spitallandschaft auf den Punkt: Während Zentrumspitäler mit dreistelligen Millionenbeträgen aufrüsten, geraten viele Schweizer Spitäler unter starken Finanzdruck. Massive Kostenüberschreitungen treffen auf rote Zahlen im laufenden Betrieb. In Chur stiegen die Ausgaben gegenüber der Erstplanung um knapp 90 Millionen Franken unter anderem wegen Teuerung und gesetzlichen Auflagen.
100 Jahre Flugplatz Altenrhein
Rückblende
Die Gründung des Flugplatzes St. Gallen-Altenrhein geht auf das Jahr 1926 zurück: Um die Auflagen des Versailler Vertrages zu umgehen, die den Bau von Grossflugzeugen im damaligen Deutschland verboten, wich der Konstrukteur Claude Dornier an das Schweizer Südufer des Bodensees aus. Für sein Projekt errichtete er die Werksanlagen der Do-Flug AG in Altenrhein. Genau dort glückte am 12. Juli 1929 der spektakuläre Erstflug des zwölfmotorigen Flugbootes Do X, dem damals grössten Flugzeug der Welt.
Zum 100-jährigen Jubiläum kehrt der fliegende Koloss an seinen Ursprungsort zurück: Im FFA-Museum in Altenrhein entsteht derzeit in einer «gläsernen Werkstatt» ein begehbarer 1:1-Nachbau des Riesenflugschiffs. Direkt daneben zeigt sich die Wandlung des Gebiets: Mit rund 25’000 bis 30’000 Flugbewegungen pro Jahr hat sich Altenrhein zum wichtigsten Regionalflughafen der Ostschweiz gewandelt, der heute als Drehscheibe für den Linienverkehr sowie die Business-Aviation im Vierländereck dient.
Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildet das grosse Flugplatzfest vom 28. bis 30. August: Dafür ist die Kunstflugstaffel der Schweizer Armee angekündigt. Vor der bevorstehenden Ausmusterung der F-5 Tiger zählt die geplante Show der Patrouille Suisse zu den letzten Auftritten der Formation in ihrer heutigen Form.
100
Zahlen
In 1:54,81 Minuten stürmte Audrey Werro im EM-Final in Birmingham über 800 Meter von Bahn 9 aus im Sololauf direkt zu Gold. Nur 24 Stunden zuvor war der EM-Traum der Freiburgerin im Halbfinal rund 100 Meter vor dem Ziel nach einer Touchierung und einem Sturz beinahe geplatzt.
Weil Werro trotz Schürfwunden aufstand und zu Ende lief, konnte Swiss Athletics Protest einlegen.Nach bangen 30 Minuten entschied die Jury auf Nachnomination für den Final. Dort wählte Werro die Flucht nach vorne: Mit einer extrem schnellen ersten Runde in 56,5 Sekunden hielt sie Olympiasiegerin Keely Hodgkinson um zwei Zehntelsekunden auf Distanz und sicherte sich den grössten Erfolg ihrer Karriere.
Infrastruktur und Klimawandel
Hintergrund
Schmelzender Permafrost, wackelige Felswände und heftigere Starkregen: Der Klimawandel stellt das Schweizer Verkehrsnetz vor eine harte Belastungsprobe. Um Bergstrecken der Rhätischen Bahn oder der SBB vor Steinschlag und Murgängen zu schützen, investieren Bund, Kantone und Bahnen jährlich hunderte Millionen Franken gezielt in den Naturgefahrenschutz.
Finanziert über den Bahninfrastrukturfonds (BIF) und eidgenössische Programmvereinbarungen, wandelt sich die Ingenieurskunst im Hochgebirge radikal: Statt starrer Betonbauten sichern heute hochenergie-absorbierende Netzsysteme und digitale Radarsysteme die wichtigsten Transitachsen des Landes.
Keystone-SDA-Fotograf Gaëtan Bally dokumentiert diese aufwendigen Schutz- und Sicherungsarbeiten in der ganzen Schweiz seit über 15 Jahren. Seine jüngste Reportage entstand Mitte August an der Albulalinie der RhB bei Filisur, wo Monteure eine fünf Meter hohe Schutzbarriere direkt im Fels verankerten.
