Themen der Woche 40

Fabian and his dog Meyla on the water slide on the season's last day at the Toess public outdoor pool in Winterthur
KEYSTONE / Michael Buholzer
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Diese Woche erfahren Sie, wie sich La Chaux-de-Fonds als kulturelles Labor neu erfindet, was drei Jahrzehnte nach dem Sommersmog-Schock vom Ozon-Alarm geblieben ist, wie das grüne «Sunflower Lanyard» im öffentlichen Verkehr für unsichtbare Beeinträchtigungen sensibilisiert und wie Schweizer Freibäder unter dem Motto «1 Franken pro Pfote» den Sommer verabschieden.

La Chaux-de-Fonds wagt den Aufbruch

Fokus

Durch das ganze Jahr 2027 trägt die Uhrenmetropole im Neuenburger Jura den Titel «Capitale culturelle suisse». Anders als die Europäische Union hatte die Schweiz bisher kein nationales Kulturhauptstadt-Format.

Das Pilotprojekt verwandelt die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt in eine Kulturspielwiese. Über 300 Veranstaltungen an 70 Orten sollen das industriell geprägte Erbe mit zeitgenössischer Kunst verbinden.

Unter dem Motto «vous êtes Capitale» setzt die Initiative auf starke Allianzen, etwa ein Gastspiel des Locarno Film Festivals als «Piccola Piazza Grande» auf dem Marktplatz, eine Paléo-Nacht auf dem stillgelegten Flugplatz Les Eplatures oder die Austragung der nächsten Schubertiade.

Für La Chaux-de-Fonds, das nach dem Strukturwandel und schweren Unwetterschäden immer wieder vor Herausforderungen stand, wird das Kulturjahr 2027 zur grossen Chance, sich als strahlendes Labor für Schweizer Kulturpolitik neu zu erfinden. 

30 Jahre nach dem Sommersmog-Shock

Rückblende

Vor drei Jahrzehnten dominierten bedrohliche Schlagzeilen, Tempolimits von 80 km/h auf Autobahnen und Warnungen vor Sport im Freien den Schweizer Sommer: Das bodennahe Ozon galt als Umweltgefahr Nummer eins. In zahlreichen Städten gab es Demonstrationen gegen die zunehmende Luftverschmutzung.

Die konsequente Einführung von Katalysatoren, Partikelfiltern und verschärften Abgasnormen zeigte Wirkung. Die extremen Spitzen der 1990er-Jahre und des Hitzesommers 2003 gehören heute der Vergangenheit an.

Die Rückschau zeigt jedoch ein zwiespältiges Bild: Während der historische Erfolg beim FCKW-Verbot das Ozonloch in der Stratosphäre langsam schliesst, bleibt das bodennahe Ozon im Schweizer Mittelland ein stummer Dauerbrenner, wie aktuelle Messungen zeigen.

Wie aktuelle Daten des EU-Dienstes Copernicus belegen, leben 92 Prozent der europäischen Bevölkerung im Sommer in Gebieten mit Ozon-Überschreitungen. Durch die steigenden Sommertemperaturen infolge des Klimawandels wird der sekundäre Schadstoff unter starker Hitze nach wie vor massenhaft gebildet. Aus dem akuten Smog-Alarm von damals ist eine schleichende Grundbelastung geworden.

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Zahlen

Das grüne Sonnenblumen-Schlüsselband (Sunflower Lanyard) setzt sich im Schweizer ÖV als diskretes Symbol für unsichtbare Beeinträchtigungen durch. Hinter dem Accessoire steht eine beachtliche Zahl: Laut Bundesamt für Statistik leben in der Schweiz rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Behinderung. Das entspricht etwa 21 Prozent der Wohnbevölkerung oder gut 1 von 5 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Überraschende 80 Prozent aller Beeinträchtigungen weltweit, wie Autismus, chronische Schmerzen oder Multiple Sklerose, sind auf den ersten Blick gar nicht sichtbar, was Betroffene im Alltag oft unter Rechtfertigungsdruck setzt.

Mit der Einführung bei SBB, BLS und Partnerbahnen schliesst sich die Schweiz einer globalen Initiative an, die bereits in über 140 Ländern und an mehr als 230 Flughäfen verankert ist.

Während das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) den baulichen Umbau von über 18’000 Haltestellen im Land vorantreibt, zielt das Bändel auf die sozialen Hürden ab. Es signalisiert dem Zugpersonal und den Mitreisenden in vollen Zügen oder bei der Billettkontrolle ohne Worte, dass jemand etwas mehr Zeit, Geduld oder eine ruhige Ansprache benötigt.
 

1 Franken pro Pfote

Hintergrund

Wenn die Badesaison endet, gehört das Becken den Vierbeinern: Immer mehr Schweizer Freibäder stellen am letzten Betriebstag die Chloranlagen ab und öffnen ihre Tore zum traditionellen Hundeschwimmen.

Was vor wenigen Jahren als lokales Experiment begann, hat sich zwischen Winterthur, Baden und der Westschweiz zu einer festen Badi-Tradition entwickelt. Unter dem Motto «1 Franken pro Pfote» verabschieden Betreiber und Gäste den Sommer, bevor das Wasser für die Überwinterung abgelassen wird.

Hinter dem sympathischen Ritual steckt ein Wandel in der Schweizer Freibad-Kultur: Die Betriebe suchen gezielt nach neuen Wegen, um sich stärker in der lokalen Gemeinschaft zu verankern und die Nutzung der öffentlichen Infrastruktur bis zum letzten Tag zu optimieren.

Das finale Abbaden markiert nicht nur den symbolischen Übergang in die kalte Jahreszeit, sondern zeigt auch, wie aus logistischem Aufwand beim Einwintern ein geschätzter Event für Mensch und Tier wird.